Welche Farben hatten Mittelalterkleider?

Karina Breul
2023-09-10 22:35:00 / Mittelalterliche Mode

Das Färben der Kleidung im Mittelalter wurden im Verlauf dieser Epoche immer weiter verfeinert, so dass das Mittelalter tatsächlich nach und nach immer bunter wurde. Hier gab es jedoch auch viele regionale Unterschiede. Ein Reisender im Mittelalter musste sich durchaus auch mit den örtlichen Gepflogenheiten bekannt machen, um nicht mit einer falschen Kleiderfarbe anzuecken.


Welche Bedeutung hatten bestimmte Farben bei Gewandungen im Mittelalter?


Aufgrund der regionalen Unterschiede sind die Bedeutungen nicht immer ganz eindeutig, aber einige klare Richtungen gab es dennoch:

Purpur


Die Farbe Purpur zum Beispiel stand nur dem höchsten Adel sowie höchsten kirchlichen Würdenträgern zur Verfügung. Auch der Preis und die Herstellung von Purpur dürften hier dazu beigetragen, wurde diese Farbe doch tatsächlich aus Schnecken gewonnen. Für so ein purpurfarbenes Gewand wurden sehr viele Schnecken für den benötigten Farbstoff benötigt und entsprechend konnte kaum jemand diesen Färbeprozess bezahlen.

Rot


Ein leuchtendes Rot galt lange als Machtfarbe, denken wir hier an einen Königsmantel in einem Rotton, der Macht und Status ausstrahlen sollte. Hier durfte der einfache Bauer natürlich nicht die Farben eines Königs tragen. In adeligen Kreisen war rot durchaus beliebt, auch um den Status zu zeigen. Für die einfachere Bevökerung war rot zum einen nicht erlaubt und zum anderen schlicht zu teuer. Dennoch konnten  blassere Rottöne durch Pflanzenfarben erzeugt werden und wurden hier und da auch von nicht adeligen Leuten getragen. 

Blau


Bei der blauen Farbe gab es verschiedene Facetten – höhere Beamte trugen im Spätmittelalter oft blau als Erkennungszeichen. Dazu gibt es das berühmte Königsblau, was wie der Name schon verrät, nur den höchsten zustand.
Blassere, eher nicht leuchtende Gewandungen in blau wurde zudem je nach Geldbeutel und Stand auch vom einfacheren Volk getragen. Wobei blau gefärbte Stoffe teuer und für untere Schichten so kaum erschwinglich waren.


Gelb 


Der Mythos von der Farbe gelb bei Mittelalterkleidern ist fast schon legendär! Und es ist zumindest teilweise etwas dran. Eben mit Unterschieden je nach Region. Tatsächlich mussten Damen gewisser Einrichtungen als Erkennungszeichen etwas gelbes tragen. Sei es eine Kopfbedeckung in gelb, gelbe Markierungen in Form von verschiedenen Stoffstücken am Gewand oder auch komplett gelbe Kleider. In manchen Orten mussten als Kennzeichnung dieser Etablissements auch "nur" bunte Kopfbedeckungen getragen werden.
Entgegen der Kennzeichnung mit gelben Markierungen war der mit Safran gefärbte leuchtende gelbliche Farbton ein Zeichen für Reichtum und wurde von den Damen zu Hofe gern zur schau gestellt. 


Grün


Der grüne Farbton stand für das Leben, die Liebe und die Hoffnung (daher der Spruch: „Grün ist die Hoffnung") und durfte ohne weitere Einschränkungen auch vom ganz einfachen Volk getragen werden. Hier war es eher ein gedämfteres grün, da es aus Kostengründen eher aus Birke, Schafgarbe oder Brennnessel gefärbt wurde. Reichere Leute konnten sich ein grün aus der Mischung von dem teureren Blau und zugesetztem Gelb leisten.

Schwarz


Schwarze Mittelalterkleider gab es so an sich nicht, da schwarz als Bekleidungsfarbe nur für Kleriker als Ordensgewänder erlaubt war. Schwarz stand damals schon wie heute mit der Vergänglichkeit, der Trauer und dem Tod in Verbindung. Zudem stand schwarz auch für Furcht und Respekt – man denke an den schwarzen Prinzen, Eduard Plantagenet, den es wirklich gegeben hat. Es ist allerdings bis heute unklar, ob er seinen berühmten Beinamen schon zu Lebzeiten bekommen hat.


Braun


Die Farbe Braun wurde oft von Mönchen getragen. War hier doch je nach Stoffart kein bis wenig Färbung notwendig, trug dieser Umstand zur asketische ausgedrückten Lebensweise der Mönche bei.
Auch die einfacheren Bauerngewandungen, zum Beispiel für die Arbeiten auf dem Feld, wurden im Allgemeinen nicht allzu aufwendig gefärbt. Dies bedeutete jedoch nicht, dass das einfache Volk und Bauer nur in tristem braun umherliefen. Für feine Anlässe wie Hochzeiten, Feste oder den Kirchgang wurde es auch in den ärmeren Ständen je nach den Möglichkeiten fast so bunt wie im Hochadel. Diente dieser doch kleidungstechnisch als Vorbild und es wurde munter versucht – trotz diverser Regelungen und Verbote – den Kleidungsstil der Oberen nachzuahmen.  Im Spätmittelalter wuchs dieser Umstand durch reichere Bauern und so manch verarmten Adel noch weiter bis zum völligen Ignorieren der alten Kleidervorschriften. 


Weiß


Die Farbe weiß stand schon seit jeher für Reinheit und das Unverdorbene. Gewandungen in weiß wurden eher als Unterkleider bzw. Untertunika oder als Überkleider für besondere Anlässe getragen.  

Beige, Leinen natur 


Beige beziehungsweise eher der Farbton von ungefärbten Leinen wurde vielfältig als Untergewänder und auch für die Überkleider eingesetzt. Sie wurde als Übergewandungen eher vom einfacheren Volk getragen – Färbeprozesse waren damals immer noch sehr aufwändig, benötigten die speziellen Rohstoffe zum Erhalt der Farben und konnten von ärmeren Leuten wenig bis kaum aufgebracht werden.
Auch die verschiedenen Facetten von Schafswolle wurden hier eingesetzt, wobei die verschiedensten Farbtöne von weiß, über Brauntöne bis hin zum Schwarzen je nach Fellfarben erzielt werden konnten.


Bunt gemischt


Gerade im Spätmittelalter kamen die vielfältigsten und interessantesten Farbkombinationen auf. Durch das Aufweichen der Grenzen der verschiedenen Stände – ein Bauer konnte Land besitzen und zu Geld kommen – trugen auch Leute vom normalerweise einfacheren Volk bunt gemischte Farben. Im Adel oder auch am Hofe wurden die wildesten Farbkombinationen bereits vogelebt. Die mittelalterliche Kleidung wurde extravaganter und mutiger, auch in der Farbgestaltung und endete in einer wilden Mischung aus Streifen, Mustern und auch sonderbaren Formen. Am adeligen Hofe dazu aus feineren Stoffen wie importierter Seite und Verzierungen in den buntesten Farbkombinationen. 

Das Mittelalter war also recht bunt


Die mittelalterlichen Gewandungen waren also nicht nur trist grau und braun wie uns so mancher Film oder so manche Serie erzählen wollen. Das Mittelalter war erstaunlich bunt und spiegelte sich in der Kleidung der damaligen Zeit wieder. Aus den verschiedensten Rohstoffen und vor allem Pflanzen konnten damals die vielfältigsten Farbtöne erzielt werden. Wobei auch hier regionale Unterschiede zu finden sind. Je nachdem welche Rohstoffe und Pflanzen einfach anzubauen oder zu beschaffen waren. Zudem wurden zur Verzierung der Gewänder gern bunt gemusterte Borten angebracht, auch schon im Frühmittelalter bei den Wikingern. Auch zierten schon bunte Stickereien die Kleidung im Mittelalter.
 


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